Kleiner Reise- und Hotel-Knigge

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In der Frankfurter Rundschau stellt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotelverband die wichtigsten Eckpunkte für Ihren entspannten Aufenthalt im Hotel vor. Mir gefällt es immer gut, wenn ich solche Infos direkt von “Betroffenen” bekomme, denn auch Hotel- oder Restaurant-Angestellte freuen sich über höfliche Gäste.

Kleiner Tipp für das Trinkgeld der Reinigungskräfte: Es hat sich bewährt und herumgesprochen, das Trinkgeld auf dem Kopfkissen zu platzieren. Dadurch ist dem Housekeeping klar, dass das Geld nicht nur einfach liegen geblieben ist, sondern eben Trinkgeld mit.

Weitere Tipps wie gesagt in der Frankfurter Rundschau.

Gerüchteküche: Hähnchenschenkel

Immer wieder wird verbreitet:

„Hähnchenschenkel dürfen selbst im feinen Restaurant mit den Fingern gegessen werden, weil sie zu den offiziellen Fingergerichten gehören.“

Das ist eine Fehlinformation. Zu den Fingergerichten zählen: Schalen- und Krustentiere, wenn sie im Panzer serviert werden, Muscheln, sofern nicht überbacken, Artischocken, Spareribs und beim Geflügel lediglich die Wachtel. Nur in rustikaler Umgebung wie bei Volksfesten, im Biergarten oder in Hähnchenbratereien ist der Hähnchenschenkel als Fingergericht anerkannt. In einem Restaurant, in dem es Besteck gibt, wird erwartet, dass ein Gast ihn mit Messer und Gabel isst. Die kleineren Chicken-Wings hingegen werden in der Tat überall mit Fingern gegessen. Zum Säubern der Hände reicht dazu eine (Papier-) Serviette.

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)

Gerüchteküche: Bestecksprache

Dieses Gerücht sagt:

Hat einem Gast das Essen nicht geschmeckt, soll er das Besteck etwa auf “fünf vor halb sechs” – wenn Sie sich den Teller als Uhr verstellen – ablegen. Ist er hingegen mit der Qualität des Essens zufrieden, platziert er Messer und Gabel auf “fünf nach halb sieben”.

In umgekehrter Version, wann es geschmeckt habe und wann nicht, gibt es das Gerücht inzwischen auch. Beides ist Unsinn. Einer Gastgeberin oder einem Gastgeber durch das Ablegen des Bestecks den Unmut über das Essen kundzutun, ist mit den Grundsätzen der Höflichkeit nicht vereinbar. Außerdem kennt die in Deutschland allseits geläufige “Besteck- Geheimsprache” nur zwei nonverbale Signale: Offenes, mit den Spitzen zur Tellermitte abgelegtes Besteck bedeutet: “Ich habe das Essen noch nicht beendet.” Rechts, etwa auf “halb fünf” parallel liegendes Besteck zeigt: “Ich bin mit dem Essen fertig.”

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)

[Anmerkung Oliver Fleidl:] Ergänzend sei noch erwähnt, dass es früher noch eine dritte Möglichkeit gab: Das Besteck wurde überkreuz auf dem Teller abgelegt, was soviel bedeutet wie: “Bitte legen Sie nach”, sollte dem Personal also signalisieren, dass ein Nachschlag erwünscht ist. Diese Regel ist überholt, die Fachkräfte lernen dies Möglichkeit inzwischen gar nicht mehr, denn es gibt heute beinahe nur noch Tellergerichte.

Gerüchteküche: Salat schneiden?

Immer noch wird der alte Hut verbreitet:

„Salat darf nicht geschnitten werden!“

Das war vor langer Zeit richtig, ist jedoch seit vielen Jahren überholt. Es gibt etliche Salatsorten, die gar nicht anders essbar sind, als sie mit dem Messer in mundgerechte Stücke zu schneiden.

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)

Gerüchteküche: Zahnstocher

Zitat aus Wikipedia:

„Früher war es in Deutschland üblich, den Zahnstocher bei Tisch hinter vorgehaltener hohler Hand zu verwenden. Da diese Praktik das Hantieren mit dem Holzstäbchen noch auffälliger machte, hat der Fachausschuss für Benehmen und Tischsitten eine offene, aber dezente Verwendung nach dem Essen als gebührlich zugelassen.“

(aus dem inzwischen aktualisieren Artikel der Wikipedia, hier der Link zu der angesprochenden alten Version)

Wer mit diesem „Fachausschuss“ gemeint ist, wird nicht erkennbar. Vermutlich existiert er gar nicht. Die einzig richtige Aussage ist die zur früher vorgehaltenen Hand. Experten empfehlen seit Jahren genau das Gegenteil von dem, was anschließend dort steht, nämlich: Rücksicht auf das ästhetische Empfinden anderer am Tisch zu nehmen und auf jeden Fall den Tisch zum Stochern zu verlassen.

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)