Souverän im Aufzug oder: “Baujahr 1979 Max. 350 kg / 4 Personen”

Es scheint gerade eine ganze Armada von “Knigge-Expertinnen und Experten” zu geben, die sich berufen fühlen uns Mitbürgern zu erklären, was wir im Aufzug tun oder lassen “dürfen”.

Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass sich erwachsene Menschen besser nicht von solcherlei “Experten” ihr Verhalten vorschreiben oder verbieten lassen sollten. Schließlich sind wir alle mündige Bürger und tragen die Folgen unseres Handelns selber.

Jetzt gibt es ohne Zweifel eine sinnvolle Umgangsformen-Empfehlung zu diesem Thema:

Wenn Sie einen geschlossenen Raum betreten, grüßen Sie zuerst.

Neben Büros und Wartezimmern gehört nun auch der Aufzug zu diesen “geschlossenen Räumen”. Und hier setzt – für mich – der gesunde Menschenverstand ein. Wenn ich selbst in einem Aufzug stehe, und es steigen Menschen hinzu, dann freue ich mich auch über einen kurzen Gruß, selbst wenn ich sie nicht kenne. Stattdessen wundere ich mich oft darüber, mit welcher Konzentration meine Mitreisenden die Information “Baujahr 1979 Max. 350 kg / 4 Personen” offenbar auswendig lernen, nur um nicht aus versehen jemanden anzuschauen.

Wenn Sie souverän sein möchten, können Sie freundlich und kurz grüßen, wenn Sie den Aufzug betreten. Jeder Mensch freut sich darüber hinaus, wenn er oder sie mit seinem Namen begrüßt wird.

Wenn jemand sich zu Ihnen gesellt grüßen Sie freundlich zurück. Small Talk über Wetter & Co macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn die betreffende Person Sie kennt. Insbesondere, wenn Sie ganz neu in der Firma sind, wirkt das eher unsicher.

Vermeiden Sie den Blick auf den Boden oder eben das anstarren der Sicherheits-Informationen an der Fahrstuhlwand. Und natürlich sollten Sie so gut es eben geht Abstand halten. Jeder akzeptiert eine gewissen Nähe in einem vollen Aufzug, aber vermeiden Sie wenn möglich Körperkontakt.

Wenn Sie also das nächste Mal in einen Aufzug steigen, und bisher unsicher waren: Probieren Sie einmal aus, mit einem freundlichen Gruß den Aufzug zu betreten. Sie werden sehen, die freundliche Erwiederung, wenn auch nur mit einem Lächeln oder einem leichten Nicken, wird nicht lange auf sich warten lassen.

Smartphone & Co. – smarter Umgang erwünscht

Bereits für die alte Generation der Mobiltelefone gilt: Legen Sie Ihr Handy nicht auf den (Schreib-) Tisch, wenn Sie mit jemandem im Gespräch sind. Das signalisiert: Ich bin jederzeit bereit, die Unterhaltung mit Ihnen (dir) zu unterbrechen. Die unterschwellige, aber eindeutige Botschaft: Sie sind (du bist) mir unwichtig. Unterbrechen Sie kein Gespräch – auch nicht den Blickkontakt –, um Ihr Handy hervorzuholen und eine eingegangene SMS zu lesen oder eine zu schreiben. Beides hat den gleichen negativen Effekt; Letzteres selbst dann, wenn der Blickkontakt beim Eintippen gehalten wird.

Genauso unhöflich ist es, in einem Gespräch die vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen, die Ihnen ein Smartphone, andere Tablet-PCs oder weitere internetfähige Geräte, etwa ein iPad, bieten. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber Ihre Wertschätzung, indem Sie darauf verzichten, sich während der Zeit des Gesprächs um soziale Netzwerke zu kümmern, im Internet zu surfen, E-Mails zu lesen oder zu schreiben, „nebenher“ ein Video oder Musik laufen zu lassen oder gar Ihre Aufmerksamkeit einem Spiel zu widmen. Nutzen Sie das Internet nur dann, wenn es allen in der Gesprächsrunde von Nutzen ist, dass Sie dort eine Information suchen, und Sie darum gebeten werden. Wollen Sie als Gedankenstütze Gesprächsinhalte eintippen, fragen Sie vorher, ob das für andere in Ordnung ist.

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)