Gerüchteküche: Begrüßen einer Gruppe

1. „Treffen Sie auf mindestens drei Personen, so dürfen Sie der Reihe nach begrüßen.“
2. „Besteht die Gruppe aus mehr als sechs Personen, verzichten Sie beim Begrüßen auf den Handschlag. Das wäre zu umständlich.“

Beide Sätze stiften Verwirrung. Das beginnt beim „Dürfen“. Jeder Erwachsene „darf“ mit Blick auf Umgangsformen-Empfehlungen grundsätzlich tun, was er will.

Es gibt kein „Muss“, sich an diese zu halten. Dies ist die freie Entscheidung eines jeden Menschen. „Muss“ steht an einer anderen Stelle: Wer sich nicht daran hält, muss die Konsequenzen seines Verhaltens tragen. Zum Beispiel, dass andere ihn für unhöflich oder unerzogen halten und deswegen den Kontakt mit ihm meiden oder ihm im Geschäftsleben sogar ein Auftrag verloren geht.

Die aktuellen Empfehlungen zur Begrüßung von Gruppen lauten: In einer überschaubaren Gruppe (bis sechs Personen) wird die übliche Reihenfolge eingehalten.

Im Privatleben bedeutet das:

  1. Die Damen haben Vorrang vor den Herren.
  2. Bei Altersunterschieden von mindestens einer Generation – etwa 30 Jahre – werden die sehr viel Älteren vor den Jüngeren begrüßt.

Eine Dame steht in der Begrüßungsreihenfolge hinter einem Herrn erst bei noch größerem Altersunterschied zurück. Es sei denn, es handelt sich um ein Paar.

Im Berufsleben

  1. wird innerbetrieblich rein hierarchisch gedacht. Die in der Betriebshierarchie jeweils höhergestellte Person wird vor den anderen begrüßt.
  2. Sind externe Gäste oder Kundinnen und Kunden dabei, bekommen diese den Vorrang.

Privat wie beruflich wird ein ausländischer Gast gegenüber einem deutschen Gast mit gleichem Status bevor­zugt.

In einer großen Gruppe ab etwa sieben Personen wird einfach der Reihe nach begrüßt. Befindet sich eine Person in der Runde, die den anderen gegenüber einen besonders hervorzuhebenden Status hat – im Privatleben etwa eine alte Dame in einem Kreis von Teenagern oder im Berufsleben eine Chefin zwischen Mitarbeitenden – ist es angebracht, bei dieser Person zu beginnen.

Ob auf den Handschlag verzichtet und einfach nur in die Runde gegrüßt wird, hängt statt von der Personenzahl von der Situation und praktischen Erwägungen ab.

Beispiele:

  • Kommt jemand sehr knapp vor Beginn einer Konferenz mit zehn Personen, ist es sicher am besten, wenn auf die Begrüßung verzichtet und es bei einem Gruß für alle belassen wird.
  • Zehn Verwandte, die Sie bei einer Familienfeier nach längerer Zeit wiedertreffen, würden sich hingegen wohl mindestens wundern, wenn Sie es bei einem knappen Gruß in die Runde beließen.

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)

Vorsicht: Nicht überall, wo Knigge draufsteht, ist auch Knigge drin!

„Knigge“ steht sowohl als Thema wie auch als Synonym für „gutes Benehmen“ hoch im Kurs. Doch längst nicht alles, was unter seinem Namen heutzutage passiert, würde Adolph Freiherrn Knigge erfreuen, wenn er es erlebte. Die meisten Menschen haben keine Ahnung, worum es ihm wirklich ging, und dass er keineswegs ein „Regelbuch der Etikette“ geschrieben hat. Er wollte eine Hilfe dazu geben, sinnlose Konflikte zu vermeiden und schrieb vorrangig über die Grundsätzlichkeiten des guten Umgangs mit Menschen.

Eine seiner wichtigsten Thesen dazu:

„Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!“

Diese echten Knigge-Sätze sind auch heute noch einer der wichtigsten Bausteine im Fundament guter Umgangsformen. Wer sich als „Knigge-Experte“ bezeichnet und seine Qualifikation zum Beispiel damit belegen will, dass er Prominente im Internet als „echte Blindgänger in Sachen Anstand“ darstellt, kann den wahren Geist Knigges nur missverstanden haben.

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)