Gerüchteküche: Bestecksprache

Dieses Gerücht sagt:

Hat einem Gast das Essen nicht geschmeckt, soll er das Besteck etwa auf “fünf vor halb sechs” – wenn Sie sich den Teller als Uhr verstellen – ablegen. Ist er hingegen mit der Qualität des Essens zufrieden, platziert er Messer und Gabel auf “fünf nach halb sieben”.

In umgekehrter Version, wann es geschmeckt habe und wann nicht, gibt es das Gerücht inzwischen auch. Beides ist Unsinn. Einer Gastgeberin oder einem Gastgeber durch das Ablegen des Bestecks den Unmut über das Essen kundzutun, ist mit den Grundsätzen der Höflichkeit nicht vereinbar. Außerdem kennt die in Deutschland allseits geläufige “Besteck- Geheimsprache” nur zwei nonverbale Signale: Offenes, mit den Spitzen zur Tellermitte abgelegtes Besteck bedeutet: “Ich habe das Essen noch nicht beendet.” Rechts, etwa auf “halb fünf” parallel liegendes Besteck zeigt: “Ich bin mit dem Essen fertig.”

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)

[Anmerkung Oliver Fleidl:] Ergänzend sei noch erwähnt, dass es früher noch eine dritte Möglichkeit gab: Das Besteck wurde überkreuz auf dem Teller abgelegt, was soviel bedeutet wie: “Bitte legen Sie nach”, sollte dem Personal also signalisieren, dass ein Nachschlag erwünscht ist. Diese Regel ist überholt, die Fachkräfte lernen dies Möglichkeit inzwischen gar nicht mehr, denn es gibt heute beinahe nur noch Tellergerichte.