“Bussi Bussi” im Büro

Das Thema “Bussi Bussi” ist ein Dauerthema wenn es um Grüßen und Begrüßen geht. Hier ist, besonders im beruflichen Kontext, viel Fingerspitzengefühl gefragt, will man Gewohnheiten im Kollegium oder im Freundeskreis ändern.

Auf sueddeutsche.de war hier am 8. August unter anderem zu lesen,

«Ab sofort gilt: Küssen verboten. Zumindest im Büro.»

Ein “Benimm-Trainer” schwingt sich hier auf, Erwachsenen zu erklären, was “verboten” und “erlaubt” ist. Aus meiner Sicht braucht es das nicht, noch dazu ist für die Betroffenen die Sache damit leider noch längst nicht erledigt. Denn es fehlen Vorschläge und Tipps, wie man sich geschickt aus der Affäre zieht, ohne z. B. dem Chef bzw. der Chefin auf die Füsse zu treten. Wir finden, dass das etwas zu kurz gegriffen ist und holen das an dieser Stelle nach.

  • Suchen Sie sich einen günstigen Zeitpunkt aus, der möglichst unabhängig von so einer Bussi-Bussi-Situation ist. Wer gerade “im Anflug” ist wird nicht erfreut sein, wenn Sie ihm oder ihr entgegen rufen: “Das ist verboten!”
  • Je nach Betriebsklima könnte so ein Artikel auch auf der Tagesordnung einer Besprechung landen. Es spricht nichts dagegen einmal in die Runde zu fragen, ob wirklich alle glücklich sind mit dieser Art der Begrüßung. Passen Sie auf, dass es nicht persönlich wird.
  • Wie im Artikel richtig dargestellt sind es häufig Frauen, die sich durch diese Art der Begrüßung unkomfortabel fühlen. Wenn es vor allem “der Chef” oder “der eine Kollege” ist, der Ihnen hier zu aufdringlich ist, müssen Sie, bitte, abwägen, was Ihnen wichtiger ist. Sie haben das unbedingte Recht, Ihre Grenze zu ziehen und zu sagen: Bis hier hin und nicht weiter. Aber bedenken Sie die Konsequenzen. Akzeptieren Sie, auch wenn Sie im Recht sind, dass Sie nach dem Gespräch vorübergehend oder dauerhaft mit schlechter Stimmung oder Schlimmerem konfrontiert werden? Oder ist Ihnen das Betriebsklima, Ihr Verhältnis zu der Person wichtiger? Das ist eine schwere Frage, die leider nur Sie beantworten können. Denn Sie tragen auch die Konsequenzen.
  • Sollten Sie sich für ein Gespräch entscheiden: Auch hier sprechen Sie die Person möglichst in Ruhe und unter vier Augen an. Fragen Sie, ob Sie etwas persönliches mit ihm (oder ihr) besprechen können. Anrufe oder hereinkommende Mitarbeitende sollten wenn möglich vermieden werden.
  • Reden Sie über sich. Aussagen wie: “Die anderen Kolleginnen sehen das auch so” sind nicht hilfreich. Sie können übrigens ruhig beginnen mit dem Hinweis, dass Ihnen das Gespräch unangenehm ist. Häufig ist das schon der erste Eisbrecher und das Gespräch verläuft viel entspannter als Sie es erwarten.
  • Kein Gesetz zwingt Sie übrigens, zu Begründen, warum Sie nicht mit “Bussi Bussi” begrüßt werden möchten. Dennoch erleichtern Sätze wie die folgenden die Akzeptanz:
    • “Es hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun, ich fühle mich einfach besser, wenn ich von Kollegen mit einem freundlichen Handschlag begrüßt werde”
    • “Ich bin es einfach nicht gewöhnt, so begrüßt zu werden und würde mich freuen, wenn wir uns auf eine Alternative verständigen könnten”
    • “Ich bin neu hier, deshalb fällt es mir schwer, mich auf dieses Ritual einzustellen. Ich habe mich entschlossen, dass ich nur enge Freunde und Familienangehörige so begrüße. Habe ich eine Chance, Sie um eine Alternative zu bitten, ohne dass ich Ihnen auf den Schlips trete/sie kränke/ich mich gleich bei Ihnen unbeliebt mache?”

Wir von umgangsformen.de wünschen Ihnen viel Erfolg!