Kleiner Reise- und Hotel-Knigge

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In der Frankfurter Rundschau stellt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotelverband die wichtigsten Eckpunkte für Ihren entspannten Aufenthalt im Hotel vor. Mir gefällt es immer gut, wenn ich solche Infos direkt von “Betroffenen” bekomme, denn auch Hotel- oder Restaurant-Angestellte freuen sich über höfliche Gäste.

Kleiner Tipp für das Trinkgeld der Reinigungskräfte: Es hat sich bewährt und herumgesprochen, das Trinkgeld auf dem Kopfkissen zu platzieren. Dadurch ist dem Housekeeping klar, dass das Geld nicht nur einfach liegen geblieben ist, sondern eben Trinkgeld mit.

Weitere Tipps wie gesagt in der Frankfurter Rundschau.

Souverän im Aufzug oder: “Baujahr 1979 Max. 350 kg / 4 Personen”

Es scheint gerade eine ganze Armada von “Knigge-Expertinnen und Experten” zu geben, die sich berufen fühlen uns Mitbürgern zu erklären, was wir im Aufzug tun oder lassen “dürfen”.

Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass sich erwachsene Menschen besser nicht von solcherlei “Experten” ihr Verhalten vorschreiben oder verbieten lassen sollten. Schließlich sind wir alle mündige Bürger und tragen die Folgen unseres Handelns selber.

Jetzt gibt es ohne Zweifel eine sinnvolle Umgangsformen-Empfehlung zu diesem Thema:

Wenn Sie einen geschlossenen Raum betreten, grüßen Sie zuerst.

Neben Büros und Wartezimmern gehört nun auch der Aufzug zu diesen “geschlossenen Räumen”. Und hier setzt – für mich – der gesunde Menschenverstand ein. Wenn ich selbst in einem Aufzug stehe, und es steigen Menschen hinzu, dann freue ich mich auch über einen kurzen Gruß, selbst wenn ich sie nicht kenne. Stattdessen wundere ich mich oft darüber, mit welcher Konzentration meine Mitreisenden die Information “Baujahr 1979 Max. 350 kg / 4 Personen” offenbar auswendig lernen, nur um nicht aus versehen jemanden anzuschauen.

Wenn Sie souverän sein möchten, können Sie freundlich und kurz grüßen, wenn Sie den Aufzug betreten. Jeder Mensch freut sich darüber hinaus, wenn er oder sie mit seinem Namen begrüßt wird.

Wenn jemand sich zu Ihnen gesellt grüßen Sie freundlich zurück. Small Talk über Wetter & Co macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn die betreffende Person Sie kennt. Insbesondere, wenn Sie ganz neu in der Firma sind, wirkt das eher unsicher.

Vermeiden Sie den Blick auf den Boden oder eben das anstarren der Sicherheits-Informationen an der Fahrstuhlwand. Und natürlich sollten Sie so gut es eben geht Abstand halten. Jeder akzeptiert eine gewissen Nähe in einem vollen Aufzug, aber vermeiden Sie wenn möglich Körperkontakt.

Wenn Sie also das nächste Mal in einen Aufzug steigen, und bisher unsicher waren: Probieren Sie einmal aus, mit einem freundlichen Gruß den Aufzug zu betreten. Sie werden sehen, die freundliche Erwiederung, wenn auch nur mit einem Lächeln oder einem leichten Nicken, wird nicht lange auf sich warten lassen.

Sascha Lobo via Spiegel Online: “Wer gute Manieren hat, braucht keine Verbote”

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Die Diskussion darüber, was im Internet “erlaubt” und “verboten” sein sollte, ist in vollem Gange und wird sicher noch eine Weile andauern. Ein Artikel von Sascha Lobo bringt die Diskussion aus meiner Sicht ein gutes Stück voran. Er schreibt z. B.

Eine Gesellschaft funktioniert nur über die Einsicht, bestimmte Dinge freiwillig nicht zu tun – unabhängig von gesetzlichen Verboten und staatlicher Kontrolle. “Das Gewissen eines jeden Bürgers ist sein Gesetz”, schrieb Thomas Hobbes 1651. Wenn auf einem bepflanzten Mittelstreifen die Blumen nicht massenweise abgerissen werden, dann liegt das kaum an der Furcht, dafür ins Gefängnis zu wandern.

Er greift damit eine zentrale Idee der modernen Umgangsformen auf. Es geht eben gerade nicht darum, etwas zu “verbieten” oder zu “erlauben”, sondern um von der Mehrheit akzeptierte und gewollte Werte und Grundsätze, die das Zusammenleben für alle leichter machen.

Über Kurz oder Lang wird auch im Internet eine Gesellschaft entstehen, die ähnliche Umgangsformen benötigt wie unsere “Offline-Gesellschaft”. Und es greift auch aus meiner Sicht zu kurz, diese Diskussion immer nur mit Blick auf diejenigen zu führen, die sich nicht an diese Grundsätze halten wollen oder können. Oder, wie Sascha Lobo das sehr direkt ausdrückt:

Einen gewissen Anteil an Idioten verträgt die Gesellschaft.

Viel spannender und zielführender ist doch die Debatte, in welcher Online-Gesellschaft wir leben wollen. Welche Gebote legen wir diesem neuen Miteinander zugrunde? Hier steigt Lobo mit diesem Artikel mitten rein in den Ring.

Für mich gelten online die selben Gebote wie offline. Ich freue mich über eine freundlichen Anruf genauso wie über einen netten Eintrag auf meiner Pinwand. Wenn ich mich im Restaurant beschwere mache ich das ebenso höflich wie sachlich, werde aber ebenso auch meine Freude über das gute Essen oder den zuvorkommenden Service mitteilen. Eine Online-Bewertung freut jeden seriösen Geschäftsmann, auch wenn sie mal kritisch ist, aber sie sollte eben nicht aus der Feigheit heraus entstehen, nur weil man sich “offline” nicht getraut hat. Und genauso, wie ich Geheimnisse von Bekannten und Freunden nicht weitererzähle veröffentliche ich auch keine Fotos, die die Gezeigten blosstellen.

Sicher, im Augenblick verstecken sich viele noch hinter der möglichen Anonymität im Internet. Vieles schreibt sich leichter, wenn man sicher ist, nicht erkannt zu werden. Doch  vergessen wir nicht, dass dadurch Menschen ihre Meinung kund tun können, selbst wenn sie nicht in einem freiheitlich-demokratischen Land leben. Wer hingegen ständig und ohne Not durch die Online-Vorgärten anderer User stapft, wird sich über kurz oder lang ohnehin selbst ins Abseits stellen. Auch ohne Verbote. Noch einmal Lobo:

Das Ziel muss es sein, dass die Mehrheit im Netz ein Gefühl für richtig und falsch bekommt und freiwillig danach handelt, ohne dass dahinter ein bewaffneter Sheriff steht; das Ziel ist eine digitale Gesellschaft der Freiwilligkeit.

Link zum Artikel “Wer gute Manieren hat, braucht keine Verbote” von Sascha Lobo auf Spiegel Online