E-Mail-Weihnachtsgrüße an die Kundschaft – Image fördernd?

Überlegen Sie genau, wem Sie auf welchem Weg Ihre Festtagsgrüße senden wollen. Weihnachtspost via E-Brief, E-Mail, SMS oder Fax eignet sich nur sehr eingeschränkt. Wählen Sie einen dieser Wege nur, wenn Sie die Vorlieben für moderne Medien der Empfangsperson kennen. Entscheiden Sie sich im Zweifelsfall besser für den traditionellen Postweg.

Das gilt auch für Weihnachtsgrüße an die Kundschaft. So schnell und bequem eine E-Mail an einen großen Verteiler auch sein mag: Unter Umständen schaden Sie damit Ihrem Firmenimage mehr, als dass es gesteigert wird. So kann es bei den Angeschriebenen großen Unmut auslösen, wenn durch einen offenen E-Mail-Verteiler bekannt wird, dass sie zum Kunden- oder Lieferantenkreis eines Unternehmens gehören. Wenn überhaupt dieser Weg gewählt wird, ist es angebracht, den Versand über den Bcc-(Blind-Kopie-)Verteiler vorzunehmen. Empfehlenswerter bleibt nach wie vor der Postweg, weil eine Karte oder ein Brief einen nachhaltigeren und persönlicheren Eindruck hinterlässt.

 Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)

Sascha Lobo via Spiegel Online: “Wer gute Manieren hat, braucht keine Verbote”

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Die Diskussion darüber, was im Internet “erlaubt” und “verboten” sein sollte, ist in vollem Gange und wird sicher noch eine Weile andauern. Ein Artikel von Sascha Lobo bringt die Diskussion aus meiner Sicht ein gutes Stück voran. Er schreibt z. B.

Eine Gesellschaft funktioniert nur über die Einsicht, bestimmte Dinge freiwillig nicht zu tun – unabhängig von gesetzlichen Verboten und staatlicher Kontrolle. “Das Gewissen eines jeden Bürgers ist sein Gesetz”, schrieb Thomas Hobbes 1651. Wenn auf einem bepflanzten Mittelstreifen die Blumen nicht massenweise abgerissen werden, dann liegt das kaum an der Furcht, dafür ins Gefängnis zu wandern.

Er greift damit eine zentrale Idee der modernen Umgangsformen auf. Es geht eben gerade nicht darum, etwas zu “verbieten” oder zu “erlauben”, sondern um von der Mehrheit akzeptierte und gewollte Werte und Grundsätze, die das Zusammenleben für alle leichter machen.

Über Kurz oder Lang wird auch im Internet eine Gesellschaft entstehen, die ähnliche Umgangsformen benötigt wie unsere “Offline-Gesellschaft”. Und es greift auch aus meiner Sicht zu kurz, diese Diskussion immer nur mit Blick auf diejenigen zu führen, die sich nicht an diese Grundsätze halten wollen oder können. Oder, wie Sascha Lobo das sehr direkt ausdrückt:

Einen gewissen Anteil an Idioten verträgt die Gesellschaft.

Viel spannender und zielführender ist doch die Debatte, in welcher Online-Gesellschaft wir leben wollen. Welche Gebote legen wir diesem neuen Miteinander zugrunde? Hier steigt Lobo mit diesem Artikel mitten rein in den Ring.

Für mich gelten online die selben Gebote wie offline. Ich freue mich über eine freundlichen Anruf genauso wie über einen netten Eintrag auf meiner Pinwand. Wenn ich mich im Restaurant beschwere mache ich das ebenso höflich wie sachlich, werde aber ebenso auch meine Freude über das gute Essen oder den zuvorkommenden Service mitteilen. Eine Online-Bewertung freut jeden seriösen Geschäftsmann, auch wenn sie mal kritisch ist, aber sie sollte eben nicht aus der Feigheit heraus entstehen, nur weil man sich “offline” nicht getraut hat. Und genauso, wie ich Geheimnisse von Bekannten und Freunden nicht weitererzähle veröffentliche ich auch keine Fotos, die die Gezeigten blosstellen.

Sicher, im Augenblick verstecken sich viele noch hinter der möglichen Anonymität im Internet. Vieles schreibt sich leichter, wenn man sicher ist, nicht erkannt zu werden. Doch  vergessen wir nicht, dass dadurch Menschen ihre Meinung kund tun können, selbst wenn sie nicht in einem freiheitlich-demokratischen Land leben. Wer hingegen ständig und ohne Not durch die Online-Vorgärten anderer User stapft, wird sich über kurz oder lang ohnehin selbst ins Abseits stellen. Auch ohne Verbote. Noch einmal Lobo:

Das Ziel muss es sein, dass die Mehrheit im Netz ein Gefühl für richtig und falsch bekommt und freiwillig danach handelt, ohne dass dahinter ein bewaffneter Sheriff steht; das Ziel ist eine digitale Gesellschaft der Freiwilligkeit.

Link zum Artikel “Wer gute Manieren hat, braucht keine Verbote” von Sascha Lobo auf Spiegel Online

SMS – der aktuelle „Knigge-Aufreger“

Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen findet es respektlos und feige, eine Beziehung per SMS zu beenden. Dies zeigt: Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass es bei aller Liebe zu modernen Medien Grenzen gibt, die den Umgang mit ihnen bestimmen. Wer seinen Mitmenschen Wertschätzung entgegenbringt, wird bestimmte Nachrichten deshalb nach wie vor im persönlichen Gespräch oder auf dem traditionellen Postweg überbringen.

So bleibt es ein Tabu, Kondolenz per SMS zu übermitteln, wenn eine Todesnachricht per Trauerbrief oder Zeitungsanzeige bekannt gegeben wurde. Ungeeignet ist eine SMS unter anderem für eine kurzfristige Absage wegen der Unsicherheit, ob die Empfangsperson sie rechtzeitig liest, sowie für offizielle Geschäftsbriefe. Schreiben zu besonderen Anlässen – etwa eine Einladung zur Hochzeit oder Gratulationen zu herausragenden Festtagen wie einer Taufe oder goldenen Hochzeit – haben auch heute noch als Brief, vorzugsweise handgeschrieben, oder Karte im wahren wie im übertragenen Sinn des Wortes mehr „Gewicht“ als eine SMS.

Quelle: Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI)