Die “Top 70 Liste” – offizielle protokollarische Rangfolge in der Bundesrepublik Deutschland

Wenn Sie vor der Aufgabe stehen, offizielle Ehrengäste z. B. in einer Begrüßungsrede zu grüßen oder entsprechend ihrer Bedeutung zu platzieren, kann das eine heikle Aufgabe sein. Hier finden Sie die offizielle protokollarische Rangfolge der Bundesrepublik Deutschland. Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen! Wir unterstützen Sie gerne, wenn Sie Fragen haben.

  1. Bundespräsident(in)
  2. Staatsoberhäupter fremder Staaten (einschließlich kaiserlicher und königlicher Mitglieder regierender Häuser)
  3. Regierungschefs fremder Staaten
  4. Bundeskanzler(in) (überlässt bei gemeinsamem Auftreten
    der Bundestagspräsidentin / dem Bundestagspräsidenten den Vortritt)
  5. Präsident(in) des Deutschen Bundestags
  6. Präsident(in) des Bundesrats
  7. Präsident(in) des Bundesverfassungsgerichts
  8. Doyen (= ranghöchster Missionschef) des Diplomatischen Corps
  9. Ausländische Botschafter(innen) in der Reihenfolge des Datums der Überreichung ihres Beglaubigungsschreibens
  10. Stellvertretende Regierungschefs (-chefinnen) ausländischer Staaten
  11. Ehemalige Bundespräsident(inn)en
  12. Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Vorsitzende(r) des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland nach Dienstalter und Vorsitzender des Zentralrats der Juden
  13. Generalsekretär(in) der Vereinten Nationen
  14. Generalsekretär(in) der NATO
  15. Präsident(in) des Europäischen Parlaments
  16. Präsident(in) der Beratenden Versammlung des Europarats
  17. Präsident(in) des Rats der Europäischen Union
  18. Präsident(in) der EU-Kommission
  19. Ehemalige Bundeskanzler(innen)
  20. Ehemalige Präsidentinnen und Präsidenten des Deutschen Bundestags
  21. Ehemalige Präsident(inn)en des Bundesverfassungsgerichts
  22. Gesandte als ständige Missionschefs
  23. Bundesminister(innen) in der veröffentlichten amtlichen Reihenfolge
  24. Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer nach Dienstalter (gehen in ihren jeweils eigenen Bundesländern allerdings den Bundesministern vor)
  25. Kardinäle
  26. EU-Kommissarinnen und -Kommissare
  27. Generalsekretär(in) des Europarats
  28. Vorsitzende der Fraktionen des Deutschen Bundestags nach Fraktionsstärke
  29. Vorsitzende der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien
    nach der alphabetischen Ordnung der Parteien
  30. Vizepräsident(in) des Deutschen Bundestags
  31. Präsidenten der Landtage der Bundesländer
    in alphabetischer Reihenfolge der Bundesländer
  32. Vizepräsident(in) des Bundesverfassungsgerichts
  33. Erzbischöfe, Landesbischöfinnen und -bischöfe, Bischöfe, Landessuperintendent(inn)en, Landesrabbiner
    in abwechselnder Reihenfolge der Glaubensgemeinschaften
  34. Präsident(in) der Deutschen Bundesbank
  35. Minister(innen) der Länder in alphabetischer Reihenfolge der Länder
  36. Koordinator(in) für die deutsch-französische Zusammenarbeit
  37. Stellvertretende Vorsitzende der Fraktionen des Deutschen Bundestags
    nach der alphabetischen Reihenfolge der Parteien
  38. Vorsitzende der Ausschüsse des Deutschen Bundestags
  39. Stellvertretende Vorsitzende der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien
  40. Ehemalige Bundesminister(innen) nach dem Lebensalter,
    abwechselnd mit ehemaligen Ministerpräsident(inn)en der Länder
  41. Präsident(in) des Bundesrechnungshofs
  42. Staatsminister(innen) des Bundes
  43. Parlamentarische Staatssekretärinnen und -sekretäre des Bundes
  44. Staatssekretärinnen und -sekretäre des Bundes
  45. Staatssekretärinnen und -sekretäre der Länder mit Kabinettsrang
  46. Kanzler(in) des Ordens “Pour le Mérite
  47. Präsident(inn)en des Bundesverbands der Deutschen Industrie,
    des Arbeitgeberverbands, des Deutschen Industrie- und Handelstags,
    Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Präsident(inn)en des Deutschen Bauernverbands und ähnlicher großer Berufsverbände nach dem Dienstalter
  48. Träger(innen) des großen Bundesverdienstkreuzes nach dem Datum der Verleihung
  49. Präsident(inn)en der Bundesgerichte
  50. Richter(innen) am Bundesverfassungsgericht
  51. Mitglieder des Deutschen Bundestags und des Europäischen Parlaments, abwechselnd
  52. Repräsentant(inn)en der kommunalen Spitzenverbände
  53. Zentralverbände der Religionsgemeinschaften
    (z. B. Laienorganisationen wie das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken)
  54. Präsident(in) der Bundesagentur für Arbeit
  55. Generalinspekteur(in) der Bundeswehr
  56. Wehrbeauftragte(r) des Deutschen Bundestags
  57. Präsident(inn)en der Verfassungsgerichtshöfe der Länder
  58. Vorsitzende der Fraktionen der in den Landtagen vertretenen Parteien
  59. Landesvorsitzende der in den Landesparlamenten vertretenen Parteien
  60. Vizepräsident(inn)en der Landtage
  61. Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der in den Landtagen vertretenen Parteien
  62. Mitglieder des Vorstands der Deutschen Bundesbank
  63. Direktor(in) beim Deutschen Bundestag
  64. Direktor(in) des Bundesrats
  65. Staatssekretärinnen und -sekretäre der Länder
  66. Generäle, Admiräle
  67. Ministerialdirektor(inn)en des Bundes
  68. Abgeordnete der Landtage
  69. Mitglieder des Bayerischen Senats (2000 abgeschafft; Senatoren a. D.)
  70. Intendantinnen und Intendanten der Fernseh- und Rundfunkanstalten, Chefredakteurinnen und Chefredakteure

“Guter Geschmack hat etwas mit Höflichkeit zu tun”

Im SZ-Magazin vom 9. September 2011 steht die Münchner Professorin für Romanistik Barbara Vinken Rede und Antwort zu der spannenden Frage: “Was ist guter Geschmack?”. Unter anderem war dort zu lesen:

SZ-Magazin: Wie lässt sich denn guter Geschmack beschreiben?
Barbara Vinken: Guter Geschmack hat etwas mit Höflichkeit zu tun, mit meinem Verhältnis zum anderen. Will ich ihn in maßlose Bewunderung ob meiner finanziellen Verhältnisse versetzen, ihn verletzen, ihn als impotent in den Schatten stellen? Negiere ich den Blick des anderen? Das gilt nicht als guter Geschmack. Oder möchte ich mich zu ihm in ein Verhältnis setzen? Ihn amüsieren, ihn reizen, ihn auf Distanz halten? Dem anderen Raum geben – das ist guter Geschmack.

Das Thema Kleidung spielt eine große Rolle, wenn es um die Frage der Höflichkeit geht. Was in der einen Situation als absolut angemessen und vorbildlich verstanden und gesehen wird, kann an anderer Stelle im besten Falle Kopfschütteln, im schlimmsten den Job kosten. Nur weil “alle” im Sommer kurze Hosen oder Röcke mit freien Armen und Sandalen tragen, ist das z. B. für ein Bewerbungsgespräch selbst bei noch so hohen Temperaturen selten die geeignete Garderobe.

Mir gefällt an der Antwort von Frau Vinken besonders, dass Sie eine zentrale Leitlinie moderner Umgangsformen in den Mittelpunkt rückt: In welchem Verhältnis möchte ich mich zu meinem Gegenüber, zu meinen Mitmenschen positionieren. Die Wahl der Garderobe sagt viel aus über mich. Wie möchte ich von meiner Umgebung wahrgenommen werden? Suche ich eher Nähe oder möchte ich auf Distanz bleiben? Stelle ich mich über die anderen oder bin ich ein Teil der Gemeinschaft? Will ich es mir leisten, aufzufallen, oder passe ich mich den Gepflogenheiten an?

Früher war das alles etwas einfacher, wer bei Hofe geladen war wusste was er anziehen musste und – ganz wichtig für die Damen – hatte auch die passende Garderobe im Schrank. Der Adel hatte genauso seine eigene Kleiderordnung wie das Bürgertum und das einfache Volk. Es war nicht gestattet, sich “nicht seinem Stande gemäß” zu kleiden, das hat die Orientierung und die Auswahl der Garderobe deutlich vereinfacht.

Heute leben wir in einer sehr viel individualistischeren Gesellschaft, in der jeder im Grunde alles tragen kann. Das gibt uns die Freiheit, selbst zu entscheiden, was wir anziehen. Aber diese Freiheit kann schnell zum Fluch werden, der sich in der häufig gestellten Frage ausdrückt: “Was zieh’ ich bloß an?”. Und wer sich vor der Beantwortung ein paar Gedanken darüber macht, auf wen er trifft und welche Wirkung er erzielen möchte, ist auf der richtigen Seite.

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